Endlich einer mehr in unserer Reisegruppe

Und wieder ist mein erster Satz eine Entschuldigung wegen der langen Zeit, die ich hier nichts Neues mitgeteilt habe. Aufmerksame Whatsapp-Statuskonsumenten haben allerdings schon mitgekriegt, dass wir nun endlich umgezogen sind und Maximilian Ben Simon ebenfalls bei uns eingezogen ist. 


Doch das war bei Weitem nicht so entspannt, wie erwartet. Von wegen beim vierten Kind muss man nur mal kurz niesen und schon ist er
da! Schon am Freitag vor der Geburt hatte ich halbwegs regelmäßige Wehen. Weil Feiertag war, habe ich meine Reisegruppe gedrängt den nahegelegenen Qibao-Tempel zu besuchen

 

 


Der Buddha, auf dem lauter kleine Männchen turnen, soll die Menschen daran erinnern, dass sie gesegneter sind, je mehr sie ertragen. Er lehrt Toleranz und lacht dabei über all die lächerlichen Menschen auf der Welt

 

An Treppen mangelts da jedenfalls nicht!

Anschließendes Flanieren durch die nahegelegene Wasserstadt, Jubel, Trubel, Heiterkeit, bissl Bewegung und Treppen steigen würden die Sache schon beschleunigen.-PUSTEKUCHEN- Samstag bin ich wieder mit aushaltbaren, halbwegs regelmäßigen Wehen aufgewacht, die sich im Verlauf zwar etwas steigerten aber noch nicht einmal veratmet werden mussten. Also neuer Versuch am Sonntag. Aufgewacht mit ca. 8 Minuten Abständen, die obligatorische Dusche erledigt, fix etwas frühstücken und dann dem besorgten Ehemann folgend zum Krankenhaus. Da Hausgeburten in China verboten sind und Stefan sich nach Antonias (für ihn) hektischer Geburt einen gemütlicheren Prozess wünschte und wir immer noch dachten, dass ein viertes Kind ganz easy auf die Welt zu bringen sei, sind wir also viel zu früh aufgebrochen. 

Sehr steril und leider kein Kreißsaal,
in dem man sich unglaublich geborgen fühlt

 

Das war ein großer Fehler! Geboren ist er dann erst abends halb neun. Und keineswegs so romantisch und gemütlich, wie ich es mir gewünscht habe. Stundenlang bin ich durch den Raum getigert, hab die Wehen im Stehen veratmet, Stefan mein Kreuzbein massieren lassen, dass ich noch Tage später Rückenschmerzen hatte, sämtliche Flüssigkeit in meinem Körper ausgebrochen und schließlich eine PDA gewünscht, um doch noch ein bisschen ausruhen zu können. 

Weil die Wehen einfach wirklich kaum aushaltbar waren (und ich bin echt ein harter Hund 😎) und es echt nicht voran ging, war ich irgendwann drin in der Interventionsschleife… Mein Arzt konnte zufällig die Geburt von Zeit zu Zeit begleiten und ebenfalls insgesamt 3 Hebammen. Alle sehr aufmerksam und besorgt -Wahrscheinlich der Grund, weswegen ich offensichtlich etwas gehemmt war. 

 

 

Das schöne an einer Hausgeburt ist ja, dass man seine Ruhe hat!!! Nun ja, die besorgten Hebammen, die mir keineswegs das Gefühl gaben eine „expirienced Mom“ zu sein, waren fast durchgängig anwesend, wollten immerzu ein CTG schreiben, untersuchen und mich konstant beobachten.
Letztlich war die Geburt trotzdem schön -nur eben alles andere als selbstbestimmt.

Weil ich während der Schwangerschaft den Zuckertest nicht machen wollte, wurde eindringlich empfohlen den nach der Geburt durchzuführen. Schließlich hätten wir ja mit 3900g ein überdurchschnittlich schweres Kind. Nunja, dazu hab ich also „Nagut“ gesagt und mich damit für mindestens 3 weitere Stunden im Krankenhaus aufhalten müssen. Kurze Duschung, natürlich unter den wachsamen Augen der Krankenschwester, eine kleine Mahlzeit und dann endlich die Tür zu! Stefan hat am nächsten Morgen die Kinder zur Schule geschickt, wir wurden am Vormittag ohne Auffälligkeiten entlassen und konnten den Mädchen am Nachmittag schon ihren Bruder vorstellen. Die Freude war riesig und der Gewinn an Privatsphäre enorm. So waren wir jetzt also zu siebt in unserem schönen Hotelzimmer. Hat man auch nicht alle Tage
😊


 

Natürlich kam, wie immer bei Familie Simon, alles Schlag auf Schlag. Geboren ist er am Sonntag, 25.6. -kurz bevor im Kindergarten alle Abschiedsfeiern durchgeführt wurden. So ist also die risikofreudige Mutter mit ihrem 4 Tage alten Säugling zum Grillfest bei der Löwengruppe aufgetaucht und hat sich am wirklich wundervollen Programm erfreut. Auch die Theatervorführung von Mathild und der Rauswurf aus der Vorschule von Carla standen an. Zusätzlich gab es reichlich gut gemeinte Ratschläge chinesischer Muttis, die traditionell mindestens 30 Tage nach Geburt -besser noch 100- in einem abgedunkelten Zimmer ohne Wind (Klimaanlage) das Wochenbett genießen, dabei nichts tun außer essen, schlafen und ausruhen. Nicht einmal duschen! 

Eine romantische (und ein bisschen fragwürdige) Vorstellung auch für mich, doch dafür bräuchte es schon eine Yuesao und ein bisschen mehr Toleranz gegenüber Fremdbestimmung😆 Aufgepasst!, jetzt kommt nämlich ein Beispiel traditioneller, chinesischer Fürsorge. Bei einer Yuesao handelt sich um eine Art Krankenschwester/Haushaltshilfe, die ausschließlich fürs Wochenbett da ist. Sie kocht entsprechend stärkende Gerichte, reicht das Kind zum Stillen oder Füttern, massiert die Brust, wickelt das Baby und erledigt alle ansonsten anfallenden Aufgaben. Sie schläft oft sogar mit dem Kind in einem anderen Raum, damit Mama ausreichend Ruhe bekommt. Mit umgerechnet ca. 3000-4000€ ist man für 30 Tage dabei. 

Aber ohnehin stand ja unser Umzug ins Häuschen an. Kurze Übergabe ohne Vermieter, dafür mit dem Makler und schon haben wir am Samstag all unsere 7 Sachen in drei Autofuhren ins neue Heim transportiert.
Bei jedem Umzug erschreck ich mich, wie viel Zeug wir eigentlich haben. Gott sei Dank war die Mutti da und hat geholfen wie 10 Männer! Maximilian wurde parallel von seinen Schwestern unterhalten und alle vier haben den Umzug ganz großartig gemanagt. Tatsächlich waren diese Sachen schnell verräumt, ein neues Etagenbett gekauft, hier und da ein neues Regal und ein Schrank second hand besorgt und dann konnte das Wohlfühlen auch schon losgehen. ….Wären da nicht noch all die Utensilien aus dem Container in der Garage gewesen und wieder die Erkenntnis, dass man einen Großteil davon nicht zwingend braucht. Natürlich die Fahrräder und ein bisschen Spielzeug, aber von allem viel zu viel! Nicht jedoch vom Milchpulver!
Alles, was wir auffällig und auch unauffällig im Container transportiert haben, war wirklich noch da! Keine einzige Tüte hat gefehlt oder war geöffnet. Meine größte Sorge verpuffte also in Nullkommanix.


So haben also Mutti und Stefan tagelang endlos Kisten geschleppt und ausgeräumt. 18 Treppenstufen haben wir! Und Mutti jetzt einen Po wie eine brasilianische Tänzerin
😊

Inzwischen ist alles verstaut, die Zimmer eingeräumt und die Ferien vorüber. Volle 7 ½ Wochen hatten wir nämlich frei und verbrachten diese mehrheitlich zu Haus. Das hörte sich auch für mich anfangs nach Langeweile, Streitschlichten und Wahnsinn an. Besonders vor dem Hintergrund sommerlicher 40°C, feuchtem Klima, das einen beim bloßen Rumstehen schwitzen lässt und sehr stechfreudiger Mücken. Doch es war auszuhalten. Nein, es war sogar herrlich! Richtig entspannte Ferien hatten wir. Mit Ausschlafen, Baden im Pool, Spiele spielen und vor allem ausreichend Zeit die neue Situation ohne Termindruck zu händeln war die Zeit wie im Flug vergangen. Man ey hatten wir wieder ein Glück mit dem Timing! Rückblickend war zwar die erste Zeit nach der Geburt ultra stressig, dafür aber danach umso entspannter. Und Gott sei Dank war die Mutti da! Nach der ersten Ferienwoche war das Gröbste erledigt (Mutti auch) und wir nach 4 Wochen wieder auf uns allein gestellt.

Nun haben Schule und Kindergarten wieder begonnen und der Alltag schleicht sich langsam ein. 

Nach einer wirklich tollen Einschulungsfeier ist ja jetzt auch Carla ein Erstklässler, sodass ich morgens nur noch Antonia mit Maximilian im Schlepptau zum Kindergarten bringen muss. Wieder einen Schritt weiter…

 

Als Mutter des Jahres natürlich alles schon
im Januar in Deutschland besorgt

 




 

 

 

 

 

 

Da ist sie, die kleine Buchstabenpiratin
 

Aber nochmal zur Einschulung: Diese wurde nämlich maßgeblich von den dritten Klassen gestaltet. Als Programm wurde ca. eine halbe Stunde lang eine Art Musical „Die Buchstabenpiraten“ aufgeführt, dem die Erstklässler fasziniert lauschten.

 

So saß ich auf meinem Stuhl, schwankend vor Rührung, weil mein zweites Kind jetzt auch schon so groß ist und vor Stolz platzend, weil mein erstes Kind so selbstverständlich und professionell auf der Bühne agiert, während meine beiden kleinen Kinder ganz vorbildlich sitzen und lauschen.
Kurze, freie Rede noch von der Direktorin und dann gingen schon alle Kinder samt Schultüte und Ranzen in ihre Klassenräume. Derweil gabs vom Elternbeirat Kaffee und Kuchen bei bestem Wetter auf dem Schulhof, schnelle Fotorunde und wieder ab nach Hause und die Schultüte ausgepackt! Alles schön locker und bei Weitem nicht so pathetisch aufgeladen, wie wir das in Deutschland gewohnt sind.

Carla kennt sich längst tip top aus und wundert sich, dass sie immer noch nicht lesen kann.






 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Einreise

Das Herzstück unseres Aufenthalts - die Schule